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In Deutschland gibt es zuverlässige repräsentative Datenerhebungen zum Tabakkonsum in der Bevölkerung. 34,8 % der erwachsenen Bevölkerung zwischen 18 und 59 Jahren in Deutschland sind Raucher. Den höchsten Raucheranteil findet man in der Altersgruppe der 20- bis 21-Jährigen; bis zu diesem Alter steigt die Prävalenzrate kontinuierlich an. Ab dem vierzigsten Lebensjahr ist der Anteil der Raucher deutlich rückläufig. Der prozentuale Anteil der Raucher, die stark rauchen und tabakabhängig sind, nimmt mit dem Alter zu. Die DSM-IV Diagnosekriterien erweisen sich dabei als ein ungeeignetes Instrument zur Messung der Tabakabhängigkeit. Insgesamt rauchen mehr Männer als Frauen, wobei unter den jungen Menschen ebenso viele Frauen wie Männer rauchen. Unabhängig von Alter konsumieren die rauchenden Frauen weniger Zigaretten als die rauchenden Männer. Obwohl eine große Auswahl an Selbsthilfe- und Behandlungsmaßnahmen zur Verfügung steht, nehmen nur wenige Raucher diese bei Aufhörversuchen in Anspruch. Starke und sozial benachteiligte Raucher scheinen es besonders schwer zu haben, mit dem Rauchen aufzuhören und sollten daher besonders unterstützt werden.
Reliable and representative data on tobacco consumption in Germany show that 34,8 % of the adult population between 1859 years are current smokers. The highest prevalence is found in the group of the 2021 year olds. Until this age the prevalence rate rises continuously and after the age of 40 the prevalence rate decreases. The percentage of smokers smoking heavily and being tobacco dependent increases in the older age groups. The DSM-IV criteria were found not to be useful to measure tobacco dependence. More men than women smoke, but in younger ages both sexes show the same smoking prevalence. In all age groups women consume less cigarettes than men. Although there is a huge supply of cessation self help manuals and interventions available, only few smokers use this support when attempting to quit.. Heavy and socially deprived smokers seem to have more difficulties to quit smoking and should therefor be specially supported in their quitting attempts.

Für die Entstehung und Aufrechterhaltung des Tabakkonsums sind eine Vielzahl von sowohl biologischen als auch psychologischen und sozialen Bedingungen relevant. In dem vorliegenden Artikel werden zum einen die direkte Substanzwirkung von Nikotin an neuronalen Transmittersystemen (Acetylcholin, Dopamin, Noradrenalin u.a.), das Neuroadaptations- Modell (sekundäre Neuroadaptation, up-regulation nikotinerger Rezeptoren, Modulationen anderer Transmittersysteme) und prädisponierende Vulnerabilitätsfaktoren (genetische Polymorphismen, komorbide Störungen) und zum anderen die psychologischen Bedingungen (psychoanalytische und verhaltenstheoretische Erklärungsmodelle, veränderte Persönlichkeitsmerkmale, psychiatrische Störungen) und sozialen Faktoren (familiäre Umgebung und Struktur, Bildungsniveau, beruflicher und ökonomischer Status, u.a.) dargestellt. In der Diskussion ergibt sich daraus eine moderne Ansicht für den Umgang mit Tabakkonsum und-abhängigkeit. Das kombiniert biologisch-psychosoziale Modell der Ta-bakabhängigkeit ist die Voraussetzung für die Entwicklung und Durchführung erfolgversprechender Entwöhnungsmaßnahmen.
The causes for the development and maintenance of tobacco dependence can be found in a number of biological as well as psychological and social factors. We show and discuss on one hand the direct effect of nicotine on neuronal transmitter systems (acetylcholine, dopamine, noradrenaline), the model of neuroadaptation (up-regulation of nicotinic receptors and modulations of other transmitter systems) and the possible predisposing factors of vulnerability (genetic polymorphismes, comorbid disorders) and on the other hand the psychological factors (psychoanalytic and behavioural models, changed personality traits, psychiatric disorders) and social factors (family environment and -structure, educational level, professional and economical status). In conclusion the total of aspects leads to a modern view while dealing with use und dependence of tobacco. This combined biological-psychosocial model of tobacco dependence is a crucial condition to successfully develop and carry out cessation therapies.

Bei der Raucherentwöhnung handelt es sich in den meisten Fällen um eine Therapie der Nikotinabhängigkeit. Wenngleich nicht jeder Raucher eine starke stoffliche Abhängigkeit entwickelt, zeigt sich doch, dass jene Raucher, die aufgrund einer tabakassoziierten Krankheit oder einer anderen Gesundheitsstörung Bedarf an einer derartigen Intervention haben, sowie jene Tabakkonsumenten, die von sich aus Rat suchen, besonders häufig nikotinabhängig sind. Entsprechend sorgfältig ist daher die Differentialdiagnose vorzunehmen, die sich neben der Nikotinabhängigkeit mit der individuellen Einstellung zum Rauchen (Nikotin- Prä-Abstinenz-Syndrom), mit den speziellen Verhaltensausprägungen (Spiegel- oder Spitzenraucher) und den psychosozialen Ursachen für das Aufrechterhalten des Tabakkonsums beschäftigen wird. Als Therapie haben sich bei vorliegender Nikotinabhängigkeit Nikotinersatzprodukte (Kaugummi, Pflaster, Inhalator, Sublingualtablette, Spray) bewährt. Auch ein zentralnervös wirksames Medikament (Bupropion) kommt für eine Gruppe von Tabakkonsumenten in Betracht. Die Nikotinabhängigkeit ist als behandlungsbedürftige Krankheit anerkannt. Kurzinterventionen, ambulante Einzel- und Gruppentherapien bis zur umfassenden stationären Therapie sollten je nach Rauchertyp angeboten werden, um so die laut WHO größte Einzelursache für Erkrankungen und Todesfälle in Europa besser in den Griff zu bekommen.
Smoking withdrawal is in most cases a matter of treatment of nicotine dependence. Not all smokers develop a strong dependence on nicotine. However, it has been shown that smokers who require intervention because of a tobacco-associated illness or other health disorder, as well as those tobacco consumers who seek advice from us, are particularly frequently nicotine- dependent. The differential diagnosis should therefore be made with due care, concerning itself not only with nicotine dependence but also with the individuals attitude towards smoking (nicotine pre-abstinence syndrome), specific smoking behaviour (trough-maintainer or peak smoker), and the psychosocial reasons for the continuation of tobacco consumption. Nicotine replacement products (gum, patch, inhaler, sublingual tablet, spray) have proven to be effective therapy for nicotine dependence. A medication that works via the central nervous system (Bupropion) can be considered for a certain group of smokers. Nicotine dependence has been recognized as an illness requiring treatment. A variety of treatments ranging from short-term interventions, ambulatory individual and group therapies, to comprehensive in-patient treatment, should be offered for different types of smokers, with the objective of better controlling what the WHO sees as the single greatest cause of illness and mortality in Europe.
Die Prävalenzraten und die Stabilisierung des Rauchens im Kindes- und Jugendalter unterstreichen die Notwendigkeit von Primärprävention. Frühe primärpräventive Ansätze zur Aufklärung und Abschreckung waren erfolglos. Neuere psychosoziale Ansätze wie Standfestigkeits- und Lebenskompetenztrainings sind erfolgreicher, da sie Entwicklungs- und Lebensbedingungen des Jugendalters adäquater berücksichtigen. Im angloamerikanischen Raum liegen vielfältige Evaluationsbefunde vor, die zeigen, dass solche Programme den Einstieg in das Rauchverhalten um mehrere Jahre verzögern können. In Deutschland gibt es nur wenige und eher kurzfristige Interventionsansätze, die zwar positive aber auch heterogene Befunde liefern. Für die Entwicklung weiterer Präventionsmaßnahmen wird vorgeschlagen, die Maßnahmen längerfristig, zielgruppen- und kontextspezifisch zu konzipieren sowie die spezifische Wirkung der verschiedenen Programmkomponenten zu analysieren.
The prevalence of smoking and tendencies to develop habitual smoking behaviors in youth underline the necessity of primary prevention. Early prevention approaches characterized by education and deterrence were unsuccessful. New psychosocial approaches dealing with social influences and life skills were more successful by considering developmental influences and the life context of youth more adequately. A high number of US intervention programs and evaluation studies demonstrate that such programs are able to delay entry into smoking several years. In Germany there are only few and short-term intervention studies yielding positive but heterogeneous results. It is suggested that further intervention measures should be conceptualized as long-term as well as more group- and context-specific intervention studies. Moreover, the specific effects of different program components have to be analyzed.
Hohe Prävalenzraten des Rauchens legen nahe, neben individuellen therapeutischen Angeboten auch regulierend durch gesetzgeberische Maßnahmen auf den Tabakkonsum einzuwirken. In Deutschland ist wenig über die Einstellungen der Bevölkerung zu solchen Maßnahmen bekannt. Ziel dieser Arbeit ist es, die Einstellungen zur Raucherpolitik mit Hilfe einer deutschen Version (SPI-D) des in den USA entwickelten Smoking Policy Index zu analysieren und die Zustimmung zu regulierenden Eingriffen in Beziehung zu a) individuellen soziodemographischen Variablen, Einstellungen und Verhaltensgewohnheiten von Befragten und b) internationalen Ergebnissen zu setzen. In einer anfallenden Stichprobe von n = 394 Personen wurden soziodemographische Angaben, Raucherstatus, (bei Rauchern) die Veränderungsbereitschaft sowie die Einstellungen zur Raucherpolitik erhoben. Durch Standardisierung der Daten wurde ein Vergleich mit Ergebnissen internationaler Studien möglich. Jüngere Personen und Personen mit höherer Bildung zeigten insgesamt eine geringere Zustimmung zu ausgewählten regulierenden Maßnahmen. Die Zustimmung war stark abhängig vom Raucherstatus: Generell war sie am höchsten bei Nichtrauchern, geringfügig niedriger bei Ex-Rauchern und am niedrigsten bei aktuellen Rauchern. Bei Rauchern hing die Zustimmung wiederum mit der Bereitschaft zusammen, das Rauchen aufzugeben. Im internationalen Vergleich fand sich in der deutschen Stichprobe eine vergleichsweise hohe Zustimmung zu einem Verbot der Tabakwerbung, während die Zustimmung zur Verstärkung von Aufklärungsmaßnahmen und Tabaksteuererhöhungen vergleichsweise gering war. Insgesamt bestätigen die Ergebnisse die Stabilität und Validität des SPI-D. Die Zustimmungswerte legen nahe, dass in der deutschen Bevölkerung v. a. Maßnahmen zur Werbeeinschränkung für Tabakprodukte vergleichsweise hohe Zustimmung finden würden. Einschränkungen in der Repräsentativität der Stichprobe mahnen jedoch zu einer vorsichtigen Interpretation dieser Ergebnisse wie auch des Vergleiches mit internationalen Daten.
High prevalence rates of cigarette smoking in Germany indicate that, in addition to targeting individuals for smoking cessation interventions, there is a need to influence tobacco consumption by means of smoking policy regulations. In Germany, little is known about the populations attitudes toward smoking policy. Goal of this study was a) to evaluate the attitudes toward smoking policy with a German version (SPI-D) of the Smoking Policy Index, and b) to interpret these attitudes, based on the background of the subjects sociodemographic characteristics, smoking status and behavior, and readiness to quit smoking. Additionally, the results were compared to international results using a comparable smoking policy instrument. A convenience sample of n = 394 subjects completed data on the variables mentioned above. Scores for the SPI-D were standardized in order to compare them with results from international studies. Younger subjects and subjects with a higher level of education showed slightly less agreement with smoking policy strategies. Attitude toward smoking policy was largely determined by the subjects smoking status: Smokers showed the lowest, non-smokers the highest and ex-smokers an intermediate agreement. In current smokers, agreement was correlated with readiness to quit. When comparing the results with those from international studies, German subjects showed a comparatively low agreement with public education about the hazards of smoking as well as for raising tobacco taxes. On the other hand, they were very supportive of banning or restricting tobacco advertising. Overall, the results confirm the expected reliability and validity of the SPI-D. The results indicate that a further restriction of tobacco advertising and promotion would find considerable support in the German population. However, the results should be interpreted carefully because of a possible bias in sample selection.

Untersucht werden sollte, ob minimalinvasive Operationstechniken die psychische Belastung vor und nach einer koronaren Bypassoperation gegenüber dem konventionellem Vorgehen verringern. In einer randomisierten, prospektiven Studie wurden 21 mit medianer Sternotomie (MS) sowie 22 mit lateraler Minithorakotomie (MIN) operierte Patienten präoperativ (nach Mitteilung des Ergebnisses der Randomisierung) sowie 4 Tage, 4 Wochen und 6 Monate postoperativ hinsichtlich Angst, Depression und posttraumatischem Stress (PTB) mit standardisierten Screening-Fragebögen untersucht. Zusätzlich wurde die subjektive Belastung durch Operation und Narbe erfragt. Das psychometrische Screening wurde von den Patienten zu allen Zeitpunkten gut akzeptiert. Die MS-Gruppe war präoperativ signifikant depressiver, postoperativ bestand kein Unterschied mehr. Ebenso zeigte die MIN-Gruppe präop. und am 4. postop. Tag signifikant weniger PTB-Belastung. Nach 4 Wochen wurde wieder das der Normalbevölkerung entsprechende Niveau psychischer Belastung erreicht. Frauen empfanden die Minithorakotomienarbe im Langzeitverlauf signifikant weniger belastend. Bei ihnen fallen erhöhte Angstwerte in der 6-Monats-Katamnese auf. Die psychische Belastung war somit vor und kurz nach Minithorakotomie geringer, dieser Unterschied nivellierte sich im Verlauf. Frauen profitierten längerfristig vom besseren kosmetischen Ergebnis bei minimalinvasivem Vorgehen.
The aim of this prospective, randomised study was to evaluate pain, anxiety, depression and symptoms of post traumatic stress disorder (PTSD) after minimally invasive coronary artery surgery in comparison with conventional operations. Twenty-one patients with median sternotomy (MS) and 22 patients with minimally invasive surgery (MIN) were evaluated the day before and 4 days, 4 weeks and 6 months after surgery by standardised screening questionnaires. The MS-group showed more symptoms of depression and PTSD before and shortly after surgery, but there was no difference in long term-outcome. Psychological symptoms returned to the level of a normal population at 4 weeks follow-up. Women in the minimally invasive surgery group were significantly more satisfied with the cosmetic result at 6 months. At 6 months, regardless of group assignment, women reached the maximum level of anxiety. Further research about the long-term course of emotional distress after cardiac surgery appears necessary.


